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1. Wettkampf im Semi-Boxing

veröffentlicht von Markus Solbach am [PUBL_DATE]
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Premiere mit Anlaufschwierigkeiten

Neue Sportart in Gebhardshain eingeführt - Reduzierte Schlagkraft bereitet Probleme - Ein Wettkampf pro Monat geplant

Theorie und Praxis sind zwei unterschiedliche Dinge. Diese Erfahrung machten auch die Semi-Boxer in Gebhardshain.

GEBHARDSHAIN. Es war vermutlich eine Weltpremiere am Samstagnachmittag in der Gebhardshainer Turnhalle. Hier gab es den ersten Wettkampf im Semi-Boxen - Boxen im Halbkontakt. Die Halbkontaktvariante ist aus dem Kickboxen bekannt. Thorsten Schmidt von der Sportgemeinschaft Westerwald (SGW) hat dies nun auf den Boxsport übertragen.

Gekämpft wird auf einer Matte statt im Ring. Ein Kampf geht über vier Runden à zwei Minuten. Auch die Einteilung der Kampfklassen ist anders. Es geht nicht - wie im Boxen - nach Gewicht, sondern nach Körpergröße. Gewicht - gleich Schlagkraft - soll beim Semi-Boxen keine Rolle spielen: Der Kämpfer muss im Moment des Kontakts die Aktion stoppen. Ein "Durchziehen" ist nicht erlaubt. Die Umsetzung dieser Maßgabe bereitete einigen Athleten jedoch noch sichtbar Schwierigkeiten.

Das zeigte sich schon im ersten Kampf in der Klasse bis 1,75 Meter zwischen Christian Morgenschweis und Stefan Schmidt (SGW). Der 22-jährige Morgenschweis, der beim Boxclub Herdorf (BCH) Vollkontakt trainiert, legte für den Geschmack der Ecke von Stefan Schmidt zu viel Kraft in die Schläge gegen den 14-Jährigen. Immer wieder nahm der unterlegene Schmidt wirkungsvolle Treffer. Ringrichter Thorsten Elfering ermahnte Morgenschweis zwar, ließ den Kampf aber laufen. Schließlich unterlag Schmidt in dem überaus ungleichen Duell mit 94:126 Punkten. Vater und Initiator Thorsten Schmidt erklärte: Für erfahrene Boxer sei die Umstellung von Wirkungstreffern auf den Halbkontakt nicht einfach, für Anfänger dagegen Semi-Boxen leichter zu erlernen als die Vollkontaktvariante.

Doch auch im Kampf der Klasse bis 1,85 Meter holte sich Felix Jäger (SGW) trotz Halbkontakts eine blutige Nase. "Halbkontakt bedeutet eben schon auch Kontakt", sagte Schmidt. Benjamin Limper (BCH) gewann den Kampf in der dritten Runde per Dominanz-K.o.: Geht ein Boxer während einer Runde mit zehn Punkten in Führung, zeigen beide Punktrichter dies an. Innerhalb der nächsten zehn Sekunden hat der Unterlegene die Möglichkeit, die Trefferbilanz zu verbessern. Gelingt dies nicht, ist der Kampf vorüber.

Limper vergleicht das Semi-Boxen mit einem lockeren Sparring im Box-Training. Schnelle und klare Treffer zu landen, stehe hier im Mittelpunkt. "Beim Vollkontakt nehme ich auch schon mal einen Körpertreffer in Kauf, wenn ich dafür einen Wirkungstreffer landen kann - hier nicht", sagt Limper.

Geistiger Vater der Disziplin Semi-Boxen ist Thorsten Schmidt. Seit den 80er-Jahren hat er Taekwondo und Kickboxen im Voll- wie im Halbkontakt betrieben. Nach einer berufsbedingten Pause suchte er - mittlerweile durch eine Knieverletzung am Kickboxen gehindert - den passenden Kampfsport für sich. Die Regularien hat er auf der Grundlage des Regelwerks einer Budo-Sportschule in Stuttgart aufgestellt, die Semi-Boxen im Training anbietet.

Mit der neuen Disziplin wurde auch die "German Open Boxing Series" (GOBS) ins Leben gerufen. Eine offene Wettkampf-Serie, in der es bis zum Sommer einen Wettkampftag pro Monat geben soll. Die Besten der Ranglisten kämpfen dann in Endrundenwettkämpfen um die Titel.

Die Idee des Halbkontakts wurde nach dem ersten Kampf dann deutlicher sichtbar. In der Klasse über 1,85 Meter gewann der 44-jährige Burkhard Schmiedel (BCH) mit 161:111 gegen den 17-jährigen Samuel Straka (SGW). Im letzten Kampf des Tages standen sich in der Klasse bis 1,75 Meter mit Thorsten und Stefan Schmidt Vater und Sohn gegenüber. Der Vater siegte mit 87:53.

Thorsten Schmidt, der auch die 15-20-köpfige Semi-Box-Gruppe der SGW trainiert, war mit dem Ablauf des ersten Wettkampftags zufrieden, auch wenn er sich eine größere Resonanz beim Publikum gewünscht hätte. SGW-Vorsitzender Willi Philipp zeigte sich begeistert: "Wir haben schon häufig Experimente gemacht, bei denen zunächst Skepsis herrschte und sich dann etwas Tolles entwickelt hat."    Achim Dörner

Artikel aus der Rhein-Zeitung vom 8. Februar 2010

Letze Änderung: 09.02.2010 um 10:24

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